Paul Friedel Wenkheimer

Orientalische Roller, eine Leidenschaft fürs Leben

Bericht von Paul Friedel Wenkheimer

Den König der Lüfte nannten ihn, unsere Altvorderen. Mit Recht, denn kein anderer Roller kann einem guten Orientalen das Wasser reichen. Als ich vor 20 Jahren die ersten Orientalen auf meinen Schlag eingewöhnte, war es allerdings mit dem Rollen und Mühledrehen nicht weit her. Erst als ich von Sportfreund Götz Joachim, der leider nicht mehr unter uns weilt, eine Täubin bekam, ging es in der Zucht aufwärts. Diese Täubin, ich nannte sie Lehnchen, bekam Sportfreund Götz auf einem FK-Treffen von Sportfreund Postelmans/Niederlande .Sie wurde meine Stammtäubin. Allerdings kam ich mit meinen Tauben nur auf 150 Punkte, bei einer Flugzeit bei den Wertungsflügen von maximal dreißig Minuten. Für den Flugkasten waren es ideale Tauben. Aber Sportfreunde aus Belgien flogen damals schon vom Hausschlag 600-1000 Punkte. Diese Punktzahlen waren mit meinen Tauben nicht zu bewerkstelligen, also fuhren Sportfreund Helmut F.Tögel und ich nach Belgien, um uns diese Tauben im Flug anzuschauen und wenn möglich, mehr über Zucht, Haltung und Training zu erfahren. Was wir dort zu hören und zu sehen bekamen, übertraf alle unsere Erwartungen. Auch bekamen wir einige Orientalen zur Zucht, die gekreuzt mit unseren Tauben, voll einschlugen. Die Flugzeit und die Rollleistung steigerten sich enorm. Seitdem betreiben wir die Kreuzungszucht, wie sie bei Brieftaubenzüchtern üblich ist. Nur mit dieser Zuchtmethode kann man Tauben züchten, die diese Punktzahlen in einem Wertungsflug erreichen. Eine genaue Zuchtbuchführung ist dabei unerlässlich, damit man die Abstammung und die Flugleistung über Generationen zurückverfolgen kann. Wir haben Tauben in unseren Stammbäumen, die Punktzahlen flogen, die bis heute unerreicht sind. Wie den 261/84 von Alfons Coenen/Belgien, der in den neunziger Jahren im Dreierstich eintausend Punkte flog. Oder meinen Wully, der aus einer Paarung Lehnchen mit Louis, einem Täuber von Louis Partouns/NL hervorging. Wully flog bei vielen FK-Treffen im In-und Ausland und hat sich mit seinem “Ausflug in die Fremde “,unsterblich gemacht. Bei dieser Zuchtmethode darf man nicht sein eigenes “Süppchen” Kochen, sondern man muss gute Tauben, die sich bei Wertungsflügen ausgezeichnet haben, an Sportfreunde weitergeben. Auch darf man nicht in zu enger Verwandtschaft züchten, um den hohen Leistungsstand nicht zu zerstören. Wenn man dann Tauben zur Zucht benötigt, kann man sich überall Tiere holen und man hat die Gewähr, dass die Nachzuchten einen hohen Leistungsstand aufweisen .Der große Vorteil liegt auch in der Haltung von wenigen Zuchtpaaren. Heute können wir sagen, in unseren Tauben fließt das Blut von Spitzentieren aus ganz Europa. Was allerdings manche Sportfreunde aus den Orientalen gemacht haben, ist eine Schande. Da wurden und werden gute Roller geschlachtet, die in Sichthöhe fliegen und den Betrachtern ihr volles Programm zeigen. Dagegen werden Tauben gehalten, die in wenigen Minuten auf unsichtbare Höhe gehen und dort stundenlang fliegen. Die par Überschläge, die sie dann abgekämpft beim Abstieg noch zeigen, sind nicht das, was man sich unter einem Orientalischen Roller vorstellt. Diese Züchter brüsten sich dann in Hochflugclubs noch mit Pokalen, welch ein Schwachsinn. Mit solchen Praktiken wird eine Rollerrasse Kaputtgemacht, die von Sportfreunden in Jahrzehnten mit viel Mühe und Arbeit wieder aufgebaut wurde. Auch sind solche Tauben für den Flugkasten völlig ungeeignet. Versuchen sie einmal, bei aufziehendem Unwetter Tauben aus so großer Höhe vom Himmel zu holen. Ein unmögliches Unterfangen, weil der Wind, der sich bei aufziehendem Gewitter in der Oberluft zum Sturm entwickelt, die Tauben in wenigen Minuten auf Nimmerwiedersehen davonbläst. Ein Sportfreund schrieb mir im letzten Herbst, er hat von 15 Jungtieren noch zwei Stück. Alle anderen wurden im Hochflug vom Winde verweht. Wenn man die Berichte von unseren Altvorderen liest, kam es ihnen darauf an, Tauben zu züchten, die in Sichthöhe flogen, damit sie sich am Flugspiel der Roller erfreuen konnten. Wer Hochflug betreiben will, sollte sich geeigneten Hochflugrassen zuwenden, die diesem Sport auch gerecht werden. Es kommt bei Orientalen auch einmal vor, dass sie auf Punkthöhe gehen. Der Grund dafür ist meistens ein Greifvogel, den die Tauben übersteigen. Sie kommen aber, wenn die Gefahr vorüber ist, wieder auf Sichthöhe ,so dass man ihre Flugfiguren wieder sehen kann. Für diese Ausflüge in die Höhe bekommen die Orientalen Höhenpunkte, die sich aber bei Wertungsflügen negativ auf die Punktzahlen auswirken ,da für Höhenflug nur drei Punkte pro Minute für den Stich vergeben werden. Wenn sich jeder Orientalenzüchter im DFC an die Satzung hält, in der unter Artikel fünf ,(Absatz C) steht:” Die Aufgaben des DFC sind die Ausrichtung der Zuchtarbeit auf den perfekten Rollerflug, gemäß den Wettflugbestimmungen für Rollertauben”.

Wer sich diese Worte auf die Fahne schreibt, der wird mit unserer Zuchtmethode in kurzer Zeit in der Ersten Reihe stehen und der Orientalische Roller bleibt was er ist,

der König der Lüfte.

Bericht von Paul Friedel Wenkheimer