Orientalische Roller

Bericht von Arno Hemmerling

Die ersten Orientalen, die ich als Flugtiere sah, waren die Orientalischen Roller von Alban Kopper, Heinz Kornfeld und Arnold Wagner  bei den Flugkastentreffen in St.Wendel, in den achtziger Jahren.

Auf diesen Treffen wurde ich zum Flugrichter ausgebildet. Bei einem dieser Zusammenkünfte starteten die Tiere von Alban Kopper und Heinz Kornfeld aus einem Flugzeug, um die Höhen, die bewertet werden, richtig einordnen zu können. Damals zeigte sich der Orientale im Dienste aller Hochflug-Rassen und ab 600 Metern sah man mit geübtem Auge nur noch Pünktchen am Himmel. Auch danach fielen die Orientalischen Roller mir immer positiv auf. Leistungswillig und stark waren sie, egal ob bei A.Kopper, J.Götz, H.Buddemeier oder Wolfgang Hartmann. Vor allem bei den Besuchen bei J.Götz und A.Kopper bekam man in dieser Zeit immer einen guten Flug zu sehen. Diese Tiere zeigten alle einen ungemeinen Drang zum Spielen, dabei zogen sie ab, in höchste Höhen und tauchten spielend wieder auf In diesem Zeitraum schaffte sich Wolfgang Hartmann und Alban Kopper einige Tiere an. So sah ich die Orientalen bei fast allen meinen Freunden. Diese Tiere zeigten Rollen mit angehängter Mühle, Überschlag mit angehängter , einfacher oder mehrfacher Mühle, Mehrfachüberschläge alleine, seltener nur Mühlen oder gar eine Schraube. Die Flugzeit lag im Durchschnitt bei eineinhalb Stunden. In Gießen konnte ich, durch die Vermittlung von W.Hartmann, von G.Cuhls einen Taubenschlag mit kleinem Grundstück pachten und natürlich zogen auch die Orientalen dort ein! Mit den Niko`s und Sturzfliegern klappte von diesem Schlag aus nicht`s. Die wenigen Wiener gingen an H.Hassenmaier. Es flogen mit Erfolg Birmingham, Culbutant Francais und natürlich die Orientalen .Dazu  muss man bemerken, dass das Grundstück mit Schlag von hohen, riesigen Bäumen überwachsen war und die Tauben von der Seite eine Wiese in eine in die Wipfel hinein geschnittene Schneise fliegen und landen mussten. Sie hatten also in Oberluft wahrscheinlich keinen Sichtkontakt zum Schlag. Übrigens lernten umgewöhnte Flugkasten –Tauben als erstes diesen Kraftakt und sie zeigten den anderen Tauben, die Art der Landung in die Pflanzen-Halbhöhle der Bäume, in den Giessener-Baum-Abri. Meine ersten Orientalen waren ein Vogel von Joachim Götz und eine Täubin von I.Wahler, die mir Walter Löster besorgte. Also bestand mein erstes Paar, absolut aus  fremden Linien. Nun dauerte es nicht lange, lernte ich  I.Wahler kennen und Helmut F. Tögel, einen absolut Orient-Verrückten im positiven Sinne. Er besorgte mir bestes holländisches und belgisches Taubenmaterial. Diese Tiere verpaart mit den Götz/Wahler Nachkommen und einigen Tieren Kopper/Hartmann Linie sorgten für ein recht buntes Bild an Farben und Leistungen. Die Tögel/Götz Kreuzungen waren von der Figurenvielfalt die besten Tiere, darauf baut sich auch noch heute ein Teil meiner Tauben auf. Durch die Aktivitäten in Gießen kamen einige neue Leute und auch ein paar “Alte“ wieder zu Flugabnahmen .Nach meinem Wegzug aus Gießen schlief dort einiges wieder ein. Als ich aus Gießen weg ging, nahm ich 12 Tiere mit ins Saarland, der Rest wurde verkauft oder zur Zucht ausgeliehen.

Im Saarland bekamen die 6 Paare bei einer Freundin von mir die “Pfauenvoliere“, heute bin ich meiner Freundin Marianne immer noch zu Dank verpflichtet. Von Walter Opitz und Walter Löster bekam ich die ersten Jungen und verbrachte kurze Zeit später Stunden damit, die Tierchen wieder zurück auf den “FK“ zu bringen. Dann stellte sich heraus ,dass jedes mal beim Vorübergehen die Tiere ein paar Körner bekamen, sie guckten ja soooo hungrig und fraßen aus der Hand. Mir fiel es natürlich wie Schuppen von den Augen, warum die Orient`l erst beim Dunkelwerden auf ihren FK zurück- kamen! Ich hatte anschließend ein eindringliches Gespräch mit der jungen Frau, und musste sie fragen, weshalb ich eigentlich die 21 Km jeden Tag fahren würde, um meine Tauben zu fliegen. Diese Jungen erhielt ein in Deutschland lebender afghanischer Taubenzüchter, den mir W.Hartmann vermittelte. In der Zwischenzeit verschenkte Wolfgang ein Paar aus meinem 97 er Siegerstich an den überseeischen Club(VHFC).Leider hörte man nur hier und da per Telefon, was aus diesen Tieren geworden ist. Etwas enttäuscht war ich, dass nichts schriftliches mehr von diesen Tieren und ihrer Nachzucht hörte. Von den verliehenen Tieren an die Giessener bekam ich auch keines mehr zurück. Der einzige, der mir die Tiere zurückgab war Peter Lhotsky, bei dem deponierte ich meine Birmingham. Im schönen Ort Erfweiler-Ehlingen bekam ich eine Wohnung mit der Möglichkeit, Tauben zu halten. Endlich wieder ein Taubenschlag besetzt mit 6 Paar OR und 5 Paar Birminghamroller. Von H.F.Tögel bekam ich seine  erste Brut zum Wiederanfang. Die Flugordnung des DHC wurde geändert und weitgehendst der EFU-Flugordnung angepasst. Also braucht man nur noch einen Richter und nur noch drei Tauben, nur die Rollpunkte werden erwähnt, die Hochflugpunkte zählen nicht mehr. Es war ganz schön hektisch bei dieser JHV des DHC. Die Möglichkeit vereinsübergreifende ,vergleichbare Leistungsprotokolle zu erstellen war gegeben und durch die Meisterschaft des VDT war eigentlich ein Instrument geschaffen, jedem im BDRG organisierten Züchter die Teilnahme zu ermöglichen. Bis heute sind es doch nur die selben Aktiven  geblieben, wir kennen uns und haben im Prinzip die selbe Taubenfamilie ,die Leistungstiere erbringt .Die Leistungstiere sind auf nur wenige Schläge verteilt oder Filialschläge wie Wenkheimer, Tögel, Götz, Hauck, Wahler, Lhotsky und Gruschke. Im Jahr 2000 gingen einige gute Tiere nach England zu S.Algar und M.Tigkler, die umgekehrt Cumulet Tümmler zu K.Krombach brachten. Im Moment ist es so, dass Wertungsrichter kaum zu bekommen sind, außer man ist gerade mal auf Deutschland Tauben-Tour. Aber sind die Tauben dann auch fit ? Greifvögel gab es schon immer ! ,aber noch nie so viele ,oben jagt der Wanderfalke und wenn die Flieger sich endlich wieder bis unter die Hochspannung gerettet haben, bedankt sich das Sperberweibchen für die Unterstützung ihres Vetters und mischt auch mit. Ein uns allen bekannter Vereinsvorsitzender forderte uns auf,500 Punkte mit den Orientalischen Rollern zu fliegen, nur bekommt man, wenn es ernst wird, keinen EFU-Richter. Ein alter Hesse sagte mal zu mir, wenn du mir das Taxi zahlst, komme ich als Richter!!

Nun, man fliegt seine Tauben für den eigenen Spaß. Man wird die alten Freunde pflegen, vielleicht einen dazu bekommen, sich reihum besuchen und vielleicht auch werten. Neue Taubenzüchter zu finden ist schwer, die Probleme sind bekannt, wir betreiben ein aussterbendes Hobby !Dieses Hobby sollte in erster Linie Spaß machen, auch den Tauben, denn es ist eine natürliche Haltung. Ein wenig über die Haltung meiner Tiere: Ich säubere den Schlag nicht jeden Tag, dafür bin ich ein Freund weniger Tauben; Zitat Joachim Götz: “Du hast nur drei beste“   Die sollten auch entsprechend versorgt werden, das Jahres-Grundfutter besteht aus dem Getreide, das mein Vermieter anbaut. Dies ist grob gereinigte Silo-Ware zu 2/5 Gerste,2/5 Weizen und 1/5 grüne Erbsen .Diese Grundmischung wird mit Hanf, Kanarienfutter, Sonnenblumen und Wicken nach Jahreszeit und Trainingsstand ergänzt. Zusätzlich erhalten die Tiere Knoblauch, Zwiebeln, Obst-Essig, Bierhefe, sauberes Wasser, Grit, Kies und Pickstein. Ins Wasser kommt nur der Obstessig. Alles andere wird in Form eines Breies übers Futter gegeben und mit Bierhefe bestreut. Kotproben, Rachenabstriche, Kropfabstriche werden einmal pro Jahr durchgeführt und gegen Paramyxo geimpft. Ansonsten werden erkrankte Tiere aussortiert. Wichtig ist, nie zu viel füttern! Gehen die ersten Flieger zur Tränke, ist es schon zu viel. Ander`s die Zuchttauben .Wenn sie brüten, kann man sie knapp halten, aber eine fütternde Taube kann man nicht fett füttern. Die Futtermenge kann man nicht in Gramm angeben. Erklären kann ich, dass eine Taube mit geschlossenem Luftschlitz nichts fliegt, eine Jungtaube mit 7 Schwingen und nacktem Hals auch nichts bringt. Tauben mit dreckigen und kalten Füßen bringen auch nichts. Eine gesunde Taube hat auch keine Federlinge im Gefieder. Lässt man die Flieger nur ein über den anderen Tag heraus, kann man auch eine Leistungssteigerung erwarten. Auch sollte man nur Tiere halten, die von selbst fliegen. Abjagen, der Orientalen nicht nötig, sie wollen fliegen. Dieses  “Fliegenwollen“ oder das freiwillige abfliegen, sollte man auf jeden Fall anstreben. Natürlich sollte der Flugstich gleich alt sein. Jungstiche aus verschiedenen Bruten bringen nichts .Alte Täubinnen vom Nest sind eine Pracht im Hochflug, alte Täuber eine Plage. Aber auch sie fliegen. In der Zeit ,in der sie nicht auf neue Eier treiben, recht gut.

Bei diesen Zeilen gedenke ich allen, die nicht mehr unter uns sind, besonders meinem Freund Joachim Götz, der am 01.August 2002 viel zu früh von uns gehen musste.

Bericht Arno Hemmerling