JHV-Altötting 09
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Galatzer Roller-einmal anders

Wenn der  Sportfreund Heinrich Weitzer seine Stallungen betritt, gibt es kein schreckhaftes Hin und Herfliegen unter seinen Tauben. Die mit viel Geduld und Liebe zum Tier betreuten Tauben fliegen ihm entgegen und „belagern“ ihn auch, das eine oder andere mal. So macht der Taubenflugsport Spaß, man kann sich dementsprechend mit seinen Tieren befassen. Diese Tauben zeigen nicht nur in der Hand eine „gute Figur“, sie sind auch in der Luft wahre Künstler .

Mein Leben mit den Galatzern

Meine Liebe zu den Tauben begann schon als ich noch ein kleiner Bub von 9 Jahren war. 1967 erwarb ich zum ersten mal Orientalische Roller. Später versuchte ich es auch mit Birmingham-Roller. Ende des Jahres hörte ich zum ersten Mal von Galatzer Roller. Mit großen Schwierigkeiten erwarb ich die ersten 2 Paare. Da seinerzeit durch den eisernen Vorhang es sehr schwer war, diese Rasse aus Rumänien einzuführen, habe ich einen mir bekannten Fernfahrer gebeten, mir 1 Paar nach Deutschland zu schmuggeln ! Für diesen Dienst habe ich damals pro Taube zu meiner großen Überraschung 300 DM zahlen müssen. Nun hatte ich 2 echte rumänisch beringte Galatzer, war aber total pleite. Nun zum Galatzer zurück. In der Zwischenzeit hat sich so einiges gewaltig geändert. Es wurde beim BR  anfangs schon gravierende Fehler gemacht. Durch die Knappheit an Rollern wurde zu große Inzucht betrieben, ja auch an Erfahrung fehlte es. Geschwisterverpaarung, oder verkaufte über Umwege wieder erworbenen Tieren wurden wieder unbewusst verpaart. Heute wissen wir jedoch alle, dass man nicht nur sehr gute Rollermiteinander verpaaren sollte. Das Resultat ist meistens, dass Bomber bzw. Totschläger zum Vorschein kommen. Da aber bei meinen ersten Galatzern auch ein Oberluftflug keine Seltenheit war, stürzten sie sogar von Oberluft runter und schlugen auf .Denn sie waren auch viel schneller – zum Unterschied zum Birmingham-Roller in Oberluft, das ist ja in der Zwischenzeit bekannt geworden. Weil ich den Galatzer gleich total vernarrt war, habe ich mir viel Gedanken gemacht. Bei Ernst Sauer in Regensburg sah ich ein Jahr später den ersten gelben Galatzer. Damals bohrte ich den Ernst solange, bis er mir den gelben Täuber überließ. Dieser Täuber trug sogar einen originalen rumänischen Ring, Jahrgang 1969. Mit diesem Täuber züchtete ich dann mit einer blauen Täubin. Aber den gelben hatten wir noch nicht fliegen bzw. rollen gesehen, weil er zum Eingewöhnen ein viel zu großes Risiko war, denn ich wollte ihn nicht verlieren. Also habe ich mit diesem Täuber ausschließlich nur gezüchtet. Diese Nachzucht erbrachten halb Hochflieger und halb Bomber. Aber ich gab nicht auf. Die dritte Generation erbrachte dann endlich die erwünschten Roller, da ich aber das Experiment nicht aufgab habe ich heute sehr erstklassige Flug und Rollkünstler. Hochfliegen, rollen, Mühle drehen über die Flügelspitzen, oder über die Achse, Schraubendrehen, ja sogar Flüge bis zu 3 Stunden sind bei mir keine Seltenheit mehr. In den Farben Schwarz Schecken, blaue, rote, gelbe, fahle schwarze und weiße sind zur Zeit in meinem Schlag vertreten. Bei allen Farben, die auch alle rollen, bin ich sehr stolz, denn wir sind ja ein Roller Club. Mit diesem Schreiben möchte ich dazu beitragen, dass der Galatzer wirklich eine eigene WO beanspruchen muss. Der Galatzer muss aber immer intensiv trainiert werden, wenn es möglich ist täglich, denn ohne Training verliert er seine schöne Flug und Rollbegabung. Das Wetter spielt bei ihm weniger eine Rolle, denn er ist ein Allwetterflieger. Da viele junge und ältere Züchter mit dieser schönen Rasse nicht die nötige Geduld aufbrachten, wurde auch immer weniger mit Galatzer gezüchtet und geflogen. Da er als Jungtier sehr launenhaft ist und auf fremden Dächern tagelang sitzt, muss man sehr viel Geduld aufbringen. Beim Älterwerden verliert sich diese Unart und der Galatzer wird dann dank der Fürsorge des Halters ein hervorragender Kunstflieger. Vielen Galatzer-Liebhabern habe ich in Europa schon meine Tauben verkauft. Mein Ruf als Galatzer-Roller Züchter ging bis nach Brasilien und Amerika, siehe das AMERICAN PIGEON JOURNAL. Der Bericht von 1974, The Galatzer Roller From Galatz, Rumania, aus dieser Zeitschrift mit den Bildern zeigt die große Interesse am Galatzer Roller. Ich wünsche mir, dass viel mehr junge Menschen sich dieser schönen Rasse annehmen, damit der Galatzer Roller in Deutschland wieder populär wird . Gut Flug „Heinrich Weitzer“, Bad Wildungen

Galatzer Roller

In Rumänien gibt es ein Ort namens (Galati) Galatz und dieses soll der Ursprung der Galatzer Roller sein. „Flugtauben aus Galatz“ auch von den Rumänen Dreher der Donau genannt. Innerhalb der Galatzer-Gruppe zählen die Mironescu Galati und Moriscari Galati zu den populärsten. Weltweit sind die Moriscari die bekanntesten. „Moriscar“ bedeutet soviel wie „Hand Mühle“. Der Züchter Gioni Moriscar kreuzte angeblich die westrussische Kaluga Turmani mit lokalen Tümmlern. Aus diesen Kreuzungen gingen die Galatzer Varianten hervor. Auch die Mironescu Galatzer sind bei weitem die höchst geschätzten Tauben in Rumänien und nach Nikola Mironescu, Bukarest, benannt. Bis zu seinem Tod 1980 galt er als ältester und geachteter Flugtaubenzüchter in Rumänien. Die Mironescu Tauben entstanden durch die Kreuzung von Vargat Tümmler mit Tauben seines Vaters.
In Rumänien sollen ca. 100 Galatzer-Linien existieren und alle Linien sind untereinander verwandt. Sie unterscheiden sich dennoch in Typ, Farbe, Zeichnung, Augenfarbe, Körpergröße, Schwanz- und Flügelaufbau, sowie dem Flugstil.
Der Galatzer Roller kam Mitte der sechziger Jahre nach Deutschland und wurde von vielen Züchtern geflogen. Diese Roller fliegen sehr schnell hoch und sind manchmal gar nicht mehr sichtbar. Er hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Birmingham Roller, ist jedoch etwas massiver und hat einen kürzeren, kräftigeren Schnabel. Der Augenrand ist gut ausgeprägt. Der Kopf ist breit, aber selten mit Haube. Die Augen sind perlartig, bei manchen auch gelblich. Ein mittellanger Hals, breiter Rücken, der mit dem Schwanz eine unterbrochene nach hinten abfallende Linie bildet. Die locker tragenden Schwingen auf den Schwanzseiten oder hängend neben dem Schwanz zeigt auch sein Rassemerkmal. Breiter Schwanz, Beine mittellang und meist glattfüsig. Es gibt ihn fast in allen Farben und Zeichnungen. Mit dem Birmingham Roller vergleichbarer Flugstil, beim Rollen steht er dem B R nicht viel nach, nur dass er außerdem noch schöne Mühlen, Schrauben und Kombinationen zeigt. Bei guter Verfassung ist Hochflug nicht selten. Zwei bis drei Stunden Flugdauer sind bei gutem Training beim Start vom Heimatschlag keine Seltenheit. Seine Flugkastentauglichkeit hat er schon oft bei Meisterschaften bewiesen.
Auf der Kunstflugtauben-Palette ist der Galatzer Roller eine große Bereicherung.
Der Galatzer ist ein Allwetterflieger, Regen und Wind machen ihm wenig aus. Es handelt sich auch um eine erstklassige, zuverlässige Zuchttaube.
Zum Glück ist diese Taube in Deutschland nicht als Ausstellungstaube anerkannt, und somit ist der Galatzer Roller als Kunstflugtaube erhalten.


Heinrich Weitzer,

GR-Züchter aus Bad Wildungen